auf den Punkt gebracht


Wildschweine im Revier



Sauen im Revier, das lässt jedes Jägerherz höher schlagen, insbesondere dann, wenn diese erstmalig auftauchen. Was tun wir? Natürlich ankirren, denn sie sind zweifellos ein interessantes Jagdwild und bereichern (?) unser Revier.

Der natürliche Lebensraum der Wildschweine besteht aus großen Laubwäldern mit masttragenden Bäumen wie Eichen und Buchen. Mastjahre, die durch die Klimaerwärmung immer mehr zur Regel geworden sind, heizen die Vermehrungsfreudigkeit der Schweine ebenso an, wie der landesweit zunehmende Maisanbau. Durch die stetige Expansion der Wildschweinpopulationen tauchen diese plötzlich in Revieren auf, wo es zuvor nie Wildschweine gab. Nun tritt oben genannte Situation (erster Absatz) ein.

Kirrungen sind jagdstrategisch günstige Plätze, an denen durch Ausbringung von Lockfutter die gewünschte Wildart stetig gemacht, und von den Schadensflächen abgelenkt werden soll, um diese effektiver bejagen zu können. Wenn aber im Umfeld schon größere Mengen Futter (Eichen, Buchen, Maisfelder usw.) vorhanden sind, muss die Menge des Lockfutters auch quantitativ konkurrieren können. Damit heizen wir aber die Populationsdynamik noch mehr an. Den Überschuss dann auch noch so ausreichend jagdlich zu nutzen, dass keine Wildschäden entstehen und der Expansion Einhalt geboten wird, dazu sind dann aber bei derzeitiger Jagdpraxis und Rechtslage wir Jäger nicht mehr im Stande, wie die Vergangenheit gezeigt hat.

Das Festhalten an althergebrachten Jagdtraditionen aus Gründen der angeblichen Waidgerechtigkeit bringt uns auch nicht weiter. Was nützt es, wie ich selber erlebt habe, wenn auf einer Schwarzwilddrückjagt mit 12 Hunden und 50 Schützen bei 20 abgegebenen Schüssen nur eine Wildsau zur Strecke kommt? Es ist doch kein vergnüglicher Sport auf lebende sich schnell bewegende Ziele zu schießen, wenn die meisten Jäger dann sowieso nicht treffen. Ist das waidgerecht??? Vielmehr kommt es darauf an, die zu bejagende Wildart auf möglichst tierschutzgerechte Art zu regulieren. Dabei ist es der Sau wurscht, ob sie mit dem Schussapparat im Pferch oder dem Jagdgewehr auf 10 m im Saufang schnell und schmerzlos zur Strecke kommt.

Die seit Jahrzehnten zu beobachtende Wildschweinexpansion birgt nicht nur die Gefahr von Wildseuchen (die afrikanische Schweinepest lässt grüßen), sondern erfüllt Landwirte und Jagdpächter wegen der zunehmenden Wildschäden mit großer Sorge. Es gibt bereits Reviere, die wegen der unkalkulierbaren Wildschweinschäden nicht mehr verpachtbar sind. Von der katastrophalen Situation in Städten, w .z .B. in Berlin und Augsburg, ganz zu schweigen.

Fazit: Bisherige Jagdpraxis revierübergreifender Drückjagden, SIS-Info, Schwarzwildarbeitskreise, Schwarzwildstudie 2014, versuchsweise Einsatz von Nachtsichtgeräten (obwohl seit 15 Jahren Praxis in der Schweiz belegt ist, dass dies auch nichts an der Schwarzwildexpansion ändert), und immer wieder neue Blabla-Konferenzen mit hochrangiger Besetzung bei denen nichts zielführendes heraus kommt, beweisen nur eines: Weder die gutwillige Jägerschaft noch die Entscheidungsträger waren bisher in der Lage, die Problematik zu lösen. Man vertröstet von einer Studie zur anderen. Neueste Hoffnung war 2015 das „Kernthema Regulierung des Schwarzwildes“ der Bayerischen Akademie für Jagd und Natur des Bayerischen Landesjagdverbandes. Bis heute (Stand Januar 2018) ist mir kein Ergebnis bekannt!!! Viele Jagdgenossen fühlen sich von dieser Hinhaltetaktik verarscht und sehen sich in ihrem Vorurteil: Jäger = Lügner = Gegner, bestätigt. Das schadet dem Ansehen der ganzen Jägerschaft. Und eine Lösung ist wieder einmal nicht in Sicht.


Meine Strategieempfehlung lautet deshalb:

1.) Auf keinen Fall Wildschweine anfüttern
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Wo Sauen auftauchen und Schaden verursachen, sofort massiven Jagddruck erzeugen (Schwerpunktbejagung).
3.)
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In größeren Maisschlägen Schussgassen quer zu den Maiszeilen anlegen, um die Bejagung zu erleichtern. Landwirte, die sich hier verweigern, brauchen sich nicht über Wildschadensauseinadersetzungen zu wundern.
4.)
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Vorübergehend in Jagdpachtverträgen die unvermeidlichen Wildschäden auf mehrere Schultern verteilen (Jagdpächter und Jagdgenossenschaft). Wildschadensausgleichskassen lösen das Problem allerdings nicht.
5.)
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Auf eine Änderung der Rechtslage (sachliche Verbote § 19(1)7 BJagdG + Art. 29(2)2 BayJG) hinwirken, um Saufänge zu legalisieren, nur so lassen sich Wildschweine dauerhaft effektiv regulieren. Übergangsweise die derzeitige Rechtslage nutzen: Ausnahmegenehmigung zur Errichtung eines Saufanges bei der zuständige Jagdbehörde beantragen (Art. 29(3) BayJG).


Reiner Gubitz
Dezember 2015
Überarbeitet Januar 2018