TBC beim Rotwild





1.) Wildbiologie
Der Wildbiologe und Jäger Dr. Heribert Kalchreuter und der Veterinärmediziner, Jäger und langjähriger Referent an der BJV-Landesjagdschule, Dr. von Braunschweig, publizierten schon vor Jahrzehnten, dass eine übermäßige Ansammlung von Wildtieren (Überpopulation) über einen längeren Zeitraum unweigerlich zu vermehrter Krankheitsanfälligkeit führt. Gehegewildbetreiber und deren Tierärzte wissen ein Lied davon zu singen. Ferner verweise ich auf die sinngemäße Aussage in der Jagdzeitung Wild und Hund von Dr. Dr. Markus E. Schick vom März 2013 (www.topagrar.com/news/Home-top-News-1119526.html).

2.) Rotwildbewirtschaftung
Der natürliche Lebensraum von Rotwild ist bei uns im nordalpinen Bereich durch die Urbanisierung erheblich geschrumpft. Die gesetzlich festgeschriebene Anpassung (Reduzierung) der Rotwildbestände an diese veränderten landeskulturellen Verhältnisse wurde aber aufgrund unveränderter „traditioneller“ (= egoistischer) Wildbewirtschaftung (Pachtsystem) über viele Jahrzehnte nicht durchgeführt. Die eigentlich viel zu hohen Wildbestände wurden nun zur (vordergründigen) Vermeidung von erheblichen Schäden im Wald,aber auch damit nicht der böse Jagdnachbar unverdient die kapitalen Trophäen schießt,durch eingattern über den Winter weg gesperrt. Mit dieser sich jährlich wiederholenden monatelangen Einpferchung der Wildtiere war aber eine steigende Krankheitsanfälligkeit vorprogrammiert. Das rätseln um Schuldzuweisungen über die Herkunft der TBC ist deshalb müßig.

3.) Fazit
Die TBC beim Rotwild ist eine Folge zu hoher Wildbestände, verstärkt durch den Faktor Wintergatter. Der gute Ruf des an sich wertvollen Wildbrets steht in Frage und deshalb schwierig zu vermarkten. Eine ganze Fremdenverkehrsregion gerät in Misskredit. Die Landwirte, die ihr Jungvieh auf den Alpen sömmern, müssen wegen der Ansteckungsgefahr um ihre Existenz fürchten, weil bei ihnen, im Gegensatz zu den großen Jagdherren, radikal durchgegriffen wird. Das bringt die Bauern verständlicherweise „auf die Barrikaden“!

4.) Folgerung
Die TCB geht eindeutig von den Rotwildkerngebieten aus.
Die Rotwildbestände müssten deshalb sofort so drastisch reduziert werden, dass eine Wintergatterung entfallen kann und muss.
In der Schweiz (zB. Graubünden) wird schon seit langem Rotwild nur in einer den landeskulturellen Verhältnissen angepassten Größenordnung gehegt, ohne Wintergatter und ohne Winterfütterung (da gibt es auch keine TBC). In Österreich hat man bereits durch drastische behördliche Maßnahmen kräftig in den Rotwildbestand eingegriffen. Es hat sich als zu wenig erwiesen.
Im Allgäu gab es 2013 zunächst hoffnungsvolle Ansätze, die zuständige Behörde (LRA OA) setzte aber die angeordneten Maßnahmen beim Wild nicht nur nicht durch, sondern verringerte 2014 sogar die Abschusspläne. Das wird fatale Folgen haben.

5.) Rechtslage (In Deutschland / Bayern)
Die Grundsätze des Jagdrechtes sehen vor, …einen den landschaftlichen und landeskulturellen Verhältnissen angepassten artenreichen und gesunden Wildbestand zu erhalten, …in einem ausgewogenen Verhältnis zu seinen natürlichen Lebensgrundlagen …(Art. 1 (2) BayJG, § 1 (2) BJagdG).

Wintergatter sind Wildgehege (Art. 25 Bay JG).
Wildseuchen sind anzeigepflichtig. Die zuständige Behörde erlässt die zur Bekämpfung der Seuche erforderlichen Anordnungen (§ 24 BJagdG).
Die TBC (Mycobacterium bovis und Mycobacterium caprae) ist eine anzeigepflichtige Tierseuche (VO über anzeigepflichtige Tierseuchen v. 12.06.2013 § 1 Ziff. 36). Das Tierseuchengesetz, 2013 geändert in Tiergesundheitsgesetz, findet auch auf Wildtiere Anwendung, da Krankheiten von Wild auch auf Haustiere übertragen werden

Ordnungswidrig handelt, wer vorsätzlich oder fahrlässig … den Weisungen der zuständigen Behörde zur Bekämpfung der Wildseuche (gem. § 24 BJagdG) nicht Folge leistet (§ 39 (2) 4 BJagdG). Die OWi kann mit einer Geldbuße bis zu 5.000,- Euro geahndet werden (§ 39 (3) BJagdG).



Reiner Gubitz, Dezember 2013
*) Überarbeitet im April 2014